Der Rosenthaler

Mitte bleibt rot

Politik

Der Wahlkreis Berlin Mitte ist einer der spannendsten im ganzen Land. Die Parteien liefern sich immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen, schon 28,2 Prozent der Erststimmen reichten diesmal für das Erringen des Direktmandats – das ist bundesweit die relativ niedrig-ste Stimmenanzahl, mit der ein Wahlkreis gewonnen wurde.

Die Abstände zu den Konkurrenten sind knapp, waren aber am 22. September deutlich zugunsten von Eva Högl: Sie verbesserte sich im Wahlkreis um etwa 3.000 auf 39.368 Stimmen (28,2% nach 26,0% 2009). CDU-Konkurrent Philipp Lengsfeld landete bei 33.291 (23,9% nach 22,6%). Besonders enttäuschend war das Ergebnis für die Grünen: Waren sie 2009 mit 22% bei den Zweitstimmen noch mit über 1000 Stimmen Vorsprung auf Platz 1 vor der SPD (21,2%), dicht gefolgt von Linkspartei (19,2%) und CDU (19,0%), so landeten sie diesmal mit nur 16,8% der Zweitstimmen lediglich auf dem vierten Platz. Das zeigt, wie eng beisammen hier vier Parteien um die Plätze streiten. Und die letzten Wahlen zeigen, dass Wechsel in Mitte immer wieder möglich sind.

Am Ende setzte sich am 22. September im Wahlkreis Mitte die SPD mit einem Plus von 5 Prozentpunkten bei den Zweitstimmen auf 26,2% (2,2 Prozentpunkte plus bei den Erststimmen) relativ klar durch. Dem allgemeinen Trend entsprechend kam die CDU mit Zuwächsen von 3,6 Prozentpunkten auf 22,6% bei den Zweitstimmen; 1,9 Prozentpunkte mehr bei den Erststimmen: 23,9%.

Die Linkspartei verlor um 0,5 Prozentpunkte auf 18,7% der Zweitstimmen im Wahlkreis, bleibt also ziemlich stabil, wenngleich bei den Erststimmen der Verlust von 19 auf 16,7% deutlicher ist.

Vergleicht man die Ergebnisse über die letzten Jahre, so lässt sich kein eindeutiger Trend erkennen. Bei allen Parteien geht es rauf und runter, der Wahlkreis bleibt umkämpft.

Schaut man noch feiner durchs Mikroskop auf die Rosenthaler Vorstadt, so geht es hier noch enger zu. Der klare Vorsprung der Grünen bei den Erststimmen in 2009 (31,8%) gegenüber 23,2% (SPD), 19,5% (CDU) und 15,3% (Linke) ist zusammengeschmolzen auf 25,8% gegenüber 25,4% CDU, 23,9% SPD und 13,5% Linke. Hier spielen sicherlich die vielen Zuzüge im Kiez eine Rolle, aber auch Wählerwanderungen, vermutlich von den Grünen direkt zur CDU (siehe auch Grafik).

Michael Donnermeyer

 
 

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