Der Rosenthaler

"Ich passe hier gut hin" - Astrid Hollmann bewirbt sich für das Abgeordnetenhaus

Politik

Text: Michael Donnermeyer; Foto: Detlef Eden

Das Beste hier am Kiez ist, dass es so familiär ist, gleichzeitig aber auch jeder für sich sein kann“ – Astrid Hollmann sitzt ganz entspannt in einem Lokal in „ihrer“ Straße, Hier hilft sie jedes Jahr mit, dass das „Fest der Höfe“ kurz vor den großen Sommerferien erfolgreich wird.

Fast alle Häuser der Straße machen mit, feiern ein Fest – kaum zu glauben, eine solche nachbarschaftliche Initiative mitten im hippen Mitte. Die Einnahmen dienen der Finanzierung der Kinderfreizeit für die „Kinder in die Mitte“, einem Verein, der in der Kirche der evangelisch-methodistischen Gemeinde mitten auf der Schröderstraße seinen Platz hat.

Das ist das Familiäre, das sich gehalten hat gegen die vielen, unübersehbaren Veränderungen im Kiez. „Ich bin dahin gegangen, ganz unkompliziert, habe mitgemacht und dabei hier die Nachbarinnen und Nachbarn kennengelernt. Das ist sehr vertraut, aber wenn ich meine Ruhe haben will, dann kann ich mich wunderbar zurückziehen in meine Wohnung – manchmal brauche ich das“, sagt die Sozialdemokratin, die im nächsten Jahr für ihre Partei bei den Abgeordnetenhauswahlen antreten will, um den Wahlkreis zu gewinnen. Die Nominierung ihrer Parteifreunde aus der Rosenthaler Vorstadt hat sie schon in der Tasche und sie ist sehr optimistisch, dass sie auch auf der offiziellen Wahlversammlung des SPD-Kreises Mitte für den Wahlkreis 1 – einer von sieben im Bezirk – aufgestellt wird.

Sie wohnt hier seit fast zehn Jahren und hat die Dynamik dieses Jahrzehnts mit erlebt. „Es hat sich sehr viel verändert, es ist viel gebaut worden, neue Menschen sind gekommen – das ist einerseits gut, andererseits müssen wir aber auch aufpassen, dass wir die, die hier schon lange leben, nicht aus dem Blick verlieren“, sagt sie. So wie Lilo, die schon seit 45 Jahren in ihrem Haus lebt und all die historischen und die schleichenden Veränderungen mitbekommen hat und von der Astrid Hollmann viel erfahren hat über die Gegend hier. „Ich möchte die Milieus verbinden, mit einem weiterhin SPD-geführten Senat die handfesten Probleme mit Mieten und bezahlbaren Wohnungen in den Griff bekommen, die Folgen der Aufwertung auch für die vielen kleinen Gewerbetreibenden, die etwa auf der Torstraße reihenweise schließen, thematisieren und in den Blick nehmen“, nennt sie einige ihrer wesentlichen politischen Anliegen.

Über die Gewerkschaft zur SPD

„Zur SPD bin ich ganz klar über den Kopf gekommen. Ich habe gemerkt, dass die Welt nicht von selbst gerecht ist.“ Dabei legt ihre Herkunft nahe, dass sie eigentlich geborene Sozialdemokratin sein müsste. Das Licht der Welt erblickte sie in Gelsenkirchen-Buer, mitten im Pott also, der Vater auch noch Bergmann – da müsste das Parteibuch quasi in der Wiege liegen. War aber nicht so. „Chancengleichheit und BAFöG – das hing für mich schon zusammen und ich wusste, dass das was mit der SPD zu tun hat.“

Aber eingetreten ist sie erst später, als sie schon in Berlin war. Auslöser war ihre Arbeit in der Mediengewerkschaft VRFF, wo sie sich besonders mit der Frauenpolitik beschäftigt hat. Sie hat sich in der Personalvertretung an ihrem Arbeitsplatz, der Deutschen Welle, engagiert und ist im Verband dort dann schnell in Positionen auf Bundesebene gewählt worden. „Da habe ich sehr schnell gemerkt, dass isoliertes Vor-sich-Hinwurschteln wenig Sinn macht, sondern frau sich organisieren muss, wenn sie etwas erreichen will, dass ich mich vernetzen will, eine politische Heimat brauche, wenn ich Gesellschaft wirklich gestalten will. Und da kam nur die SPD für mich in Frage“, sagt Astrid Hollmann, die seither nicht nur in der hiesigen SPD vor Ort, sondern auch bei den sozialdemokratischen Frauen in Mitte mitgemacht hat. Kein Wunder, dass sie dort für ihre Kandidatur eine fast einstimmige Unterstützung gefunden hat.

„Was ich gut kann, ist kämpfen und vermitteln – das habe ich gelernt, nicht zuletzt als mittlere Schwester von drei Brüdern“, sagt sie lachend und will diese früh erworbenen Talente auch für „ihren“ Wahlkreis einsetzen. „Ich will mit meinen Erfahrungen aus meinem bisherigen Engagement, aber auch aus der Kenntnis des Kiezes diesen schönen Ort mitgestalten. Wichtig ist mir dabei, dass wir das, was wir machen, für und mit den Menschen machen“, beschreibt sie ihren Politikstil. „Das ist manchmal sehr anstrengend, aber darunter geht es nicht.“

„Sollen sie ruhig kommen, ich bin schon lange  hier.“

Die Geduld und die Nerven dafür hat sie – und keine Angst vor den möglichen prominenten Gegenkandidaten: Sie wird es aller Wahrscheinlichkeit nach mit Ramona Pop (Grünen-Fraktionsvorsitzende) und Frank Henkel (Innensenator und CDU-Spitzenkandidat) im Wahlkreis zu tun bekommen.

„Das macht mir gar keine Angst“, sagt sie mit entschlossener Freundlichkeit. „Sollen sie ruhig kommen, ich bin schon lange hier und habe garantiert viel mehr Leidenschaft, Zeit und Aufmerksamkeit für die Leute hier vor Ort. Ich setze drauf, dass die Menschen das merken und mich unterstützen.“
 

 
 

Aktuelle Ausgabe als PDF