Der Rosenthaler

In sieben Minuten vom Nord- zum Hauptbahnhof

Stadtentwicklung

Text und Bild: Andeas Laukant

Geschafft. Endlich eine Berliner Baustelle, die innerhalb der versprochenen Frist fertiggeworden ist. Auch wenn das angesichts von vier Jahren Bauzeit etwas merkwürdig klingt: Mehr ist nie versprochen worden, auf den Baustellen-Schildern stand von Anfang an: „bis August 2015“.

Und am 29. August 2015 ist die Strecke tatsächlich auf ganzer Länge eröffnet worden, seit Dezember konnte man schon von der Chausseestraße mit der M5 den Hauptbahnhof erreichen.

Die lange Bauzeit ist gerechtfertigt durch die Gründlichkeit. Es ist alles gemacht worden, was teilweise seit den 20er Jahren liegen geblieben war. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: von der Brunnenstraße aus ist man in zehn Minuten, vom Nordbahnhof aus in sieben Minuten flott und komfortabel am Hauptbahnhof.

Die BVG setzt überwiegend neue Fahrzeuge ein, die zu den erhöhten Bahnsteigen höhengleiche Ausstiege haben. Die Auslastung in den ersten Wochen zeigt, dass diese Straßenbahnverbindung für viele eine deutliche Verbesserung gebracht hat und es gibt erstaunlich wenig Stau, obwohl sich Tram und Autos über weite Strecken die Fahrbahn teilen müssen.

Ob die Haltestelle am Hauptbahnhof tatsächlich so aufwändig gestaltet werden musste, bleibt Geschmackssache, immerhin bringen die geschwungenen Dächer etwas Bewegung in das stilistische Einerlei rund um den  Bahnhof.

Eindeutig ein Plus: Endlich gibt es einen durchgehenden Fahrradstreifen von der Gartenstraße bis Alt-Moabit, wenn auch nur in Mindestbreite, für mehr war einfach kein Platz.
Fußgänger haben am Nordbahnhof nun eine richtige Ampel bekommen, die eindeutig und besser funktioniert als der Übergang früher, der über die doppelte Breite der Invalidenstraße vor dem Nordbahnhof führte.

Für Autofahrer gibt es nun zwei echte Fahrspuren (kein Parkstreifen) pro Richtung auf der Invalidenstraße.Dafür gibt es jetzt deutlich mehr Ampeln, auch um der Straßenbahn das Ein- und Ausfahren an den Haltestellen zu erleichtern. Dennoch läuft der Verkehr im Großen und Ganzen bisher weitgehend staufrei. Ganz anders auf der Chausseestraße. Obwohl das Linksabbiegen verboten ist (s. unten), staut sich der Verkehr in beiden Richtungen doch recht häufig.

Möglich, dass sich das etwas auflockert, wenn die Baustellen in der nördlichen Chausseestraße  abgebaut worden sind. Für die Eichendorffstraße hat der Umbau eine Beruhigung gebracht. Sie ist jetzt nur noch als Gehwegüberfahrt zur Invalidenstraße  benutzbar, einbiegen aus östlicher Richtung geht wegen eines kurzen Mittelstreifens gar nicht mehr. Vorher war das vor allem für Taxifahrer ein beliebter Schleichweg.

Weitere geplante Verkehrsberuhigungen im Romantiker-Kiez konnten leider nicht realisiert werden. Die SPD hatte sie beantragt, das Geld stand auch schon bereit, dann aber haben es ausgerechnet die Grünen mit Hilfe von CDU und Linkspartei wieder gekippt. Die SPD will es wieder beantragen, damit auch hier der Umbau der Invalidenstraße nicht zu mehr Durchgangsverkehr führt.
 

Die neue Tramlinie zum Hauptbahnhof:
Was noch zu verbessern wäre

Hindernisläufe
Am U-Bahnhof Naturkundemuseum wird man zu umständlichen Umwegen gezwungen. Es gibt zwei Ausgänge auf dem Mittelstreifen, aber wer den falschen nimmt, muss umständlich zur Ampel laufen, um in die richtige Richtung zu kommen – oder sich sportlich mit einer Flanke über das Gitter schwingen, um sich dann durch den fließenden Verkehr zu mogeln. Das muss geändert werden, die SPD in der BVV hat das schon beantragt.

Ähnlich schildbürgermäßig geht es am Invalidenpark zu. Wer dort aus Richtung Nordbahnhof aussteigt und in Richtung Charité will, muss drei Ampeln überwinden und einen längeren Fußweg in Kauf nehmen. Die Folge ist, dass fast alle nehmen die logische Abkürzung nehmen: Umlaufen des Gitters und ohne Ampel auf die andere Seite - und das über die mehr als 20 cm hohe Schwelle. Die Sicherheit wird hier nicht angenommen. Änderung tut Not.

 

Aussteigen auf den Radweg
Straßenbahn-Fahrgäste stehen beim Aussteigen an den Haltestellen Naturkundemuseum und Nordbahnhof mitten auf dem Radweg. Ja, natürlich müssen Radfahrer, wie andere Fahrzeuge auch, anhalten, wenn Fahrgäste aus einer Straßenbahn aussteigen. Aber gelegentlich halten sich manche Pedalathleten nicht an solche kleinlichen Vorschriften. Potentiell gefährlich.
 

Treppen des Grauens
Am Hauptbahnhof kann man direkt von der Straßenbahn zu den Bahngleisen runtergehen und umgekehrt. Gut gedacht.  Allerdings nur zu Fuß über eine ewig lange Treppe, völlig ungeeignet für Gehbehinderte und Leute mit Koffern (soll es an Bahnhöfen manchmal geben). Fahrstühle kommen erst später, wenn die S-Bahn fertig ist. Zu lang bis dahin ...

Linksrum geht gar nichts
An der Kreuzung Invaliden-/Chausseestraße ist das Abbiegen aus jeder Richtung in jede Richtung verboten. Aus Richtung Torstraße darf man nicht mal nach rechts in die Invalidenstraße einbiegen. Grund: Die vier Straßenbahnlinien sollen nicht durch Abbiegeverkehr blockiert werden.  
Dafür müssen Autofahrer den Umweg über die Zinnowitzer Straße nehmen. Ein Hinweisschild dazu fehlt aber. Folge: Die Fahrer biegen trotzdem ab oder suchen sich Umwege durch den Kiez. Misslich, vielleicht sollte man auf Umsicht bauen ...

 
 

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