Der Rosenthaler

Die Fahrradstaffel der Polizei - ein Pilotprojekt in Mitte

Verkehr

Foto, Text und Interview: Birgit Neumann

Wer mit dem Fahrrad in Mitte unterwegs ist, trifft immer häufiger auf Polizeibeamtinnen und -beamte, die ebenfalls auf dem Rad unterwegs sind. Seit Juli 2014 ist die Fahrradstaffel der Berliner Polizei im Einsatz. Im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts sind fünf Frauen und fünfzehn Männer täglich in Mitte unterwegs.


Denn hier ist ein besonders hohes Radfahreraufkommen zu verzeichnen. Hier ereignen sich die meisten Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Es soll herausgefunden werden, ob die Fahrradstaffel hilft, die Verkehrssituation positiv zu beeinflussen. Anlass genug für ein Gespräch mit Sascha Ziegler, dem Leiter der Fahrradstaffel.

Rosenthaler: Herr Ziegler, beschreiben Sie doch mal die Aufgaben der Fahrradstaffel?
Ziegler: Unsere Hauptaufgabe ist die Überwachung des Straßenverkehrs, insbesondere mit Blick auf das Verhalten von und gegenüber Radfahrerinnen und Radfahrern. Dabei legen wir ein besonderes Augenmerk auf gefährliches Fehlverhalten und Hauptunfallursachen, also beispielsweise das unzulässige Befahren von Gehwegen oder die Missachtung roter Ampeln durch Radfahrerinnen und Radfahrer, aber auch Vorrangmissachtungen nach rechts abbiegender Kraftfahrzeuge an Kreuzungen und Einmündungen. Darüber hinaus achten wir bei unseren Streifenfahrten gezielt auf verkehrswidrig geparkte Fahrzeuge auf Radwegen und -fahrstreifen und setzen diese im Falle konkreter Behinderungen des Radverkehrs konsequent um.

Rosenthaler: Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei der Fahrradstaffel aus?
Ziegler: An einem normalen Arbeitstag sind wir in Mitte ganzjährig von 7 bis 20 Uhr auf Streifenfahrt oder führen mit weiteren Kräften gezielte Verkehrskontrollen durch.
Rosenthaler: Wie viele Kilometer legen die Polizisten in der Regel an einem Arbeitstag zurück?
Ziegler: In der Regel 30 bis 40 km.

Rosenthaler: Mal abgesehen vom Fahrrad: Was sind die größten Unterschiede zu einer „normalen“ Streife?
Ziegler: Die Präsenz auf der Straße, in den Parks und auf Plätzen wird von der Bevölkerung anders wahrgenommen. Man ist sofort ansprechbar. Aus meiner Sicht finden die Dialoge meist entspannt und freundlich statt.

Rosenthaler: Was kann eine Fahrradstaffel beim Einsatz für mehr Verkehrssicherheit leisten, das andere Polizeistaffeln nicht leisten können?
Ziegler: Die Erfahrung zeigt, dass ein Fahrradfahrer, der von einem anderen Fahrradfahrer „auf Augenhöhe“ angesprochen wird, deutlich einsichtiger und ernsthafter mit einem Kritikgespräch umgeht.
Während der Streifen nehmen wir Gefahren auf Radwegen deutlich früher wahr beziehungsweise bleiben diese nicht unbemerkt. Dadurch können die Gefahren kurzfristig beseitigt werden. So werden verkehrskritische Radwegführungen erkannt und mögliche Unfallursachen beseitigt.

Rosenthaler: Mit welchen Verkehrssünden haben sie am häufigsten zu tun?
Ziegler: Der Hauptverstoß ist das Missachten einer Ampel. Leider wird der Rotlichtverstoß immer noch als Kavaliersdelikt angesehen. Gefolgt wird dieser Verstoß vom Gehwegfahren und dem Nutzen des Handys während der Fahrt.
Durch Kraftfahrzeugführer/innen wird das Freihalten der Radwege missachtet. Sowohl beim Rechts- als auch beim Linksabbiegen wird oft nicht auf geradeaus fahrende Fahrradfahrer/innen geachtet.

Rosenthaler: Sie sind unterwegs, um für mehr Sicherheit auf Berliner Straßen zu sorgen. Was ist dabei die größte Herausforderung für Sie?
Ziegler: Die größte Herausforderung ist es, alle Verkehrsteilnehmer zu erreichen, um ein rücksichtsvolleres, freundlicheres und unfallverringerndes Miteinander zwischen Fußgängern, Radfahrern und Kraftfahrzeugführern herbeizuführen.

Rosenthaler: Haben Sie einen Tipp für ein verständnisvolleres Miteinander im Straßenverkehr?
Ziegler: Jeder von uns ist Verkehrsteilnehmer in den unterschiedlichsten Rollen (Fußgänger, Fahrradfahrer oder Kraftfahrzeugführer). Wenn wir es im Laufe der Zeit schaffen sollten, alle Verkehrsteilnehmer nicht nur für die momentane Rolle zu sensibilisieren, sondern jeder Verkehrsteilnehmer sich selbst und alle anderen als gleichberechtigt ansieht, dann könnte ich mir vorstellen, wird auch das Verständnis untereinander besser.
Ich appelliere für ein gleichberechtigtes und rücksichtsvolleres Miteinander.
Rosenthaler: Herr Ziegler, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.

 

 
 

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