Der Rosenthaler

Den Helfern helfen - Aktive Flüchtlingshilfe

Kiez

Text und Foto: Michael Donnermeyer

Flüchtlinge – das ist kein Thema mehr, mit dem sich nur Amnesty beschäftigt. Es rückt uns im wahrsten Sinne des Wortes auf die Pelle. Was lange eher eine abstrakte Debatte um Grund- und Menschenrechte sowie internationaler Politik war, kommt nun an in jedem Kiez. Sie sind da, sie kommen immer weiter und in ungeahnt großer Zahl. Sie stellen uns auf die Probe, sie fordern uns heraus.
 

Sie treffen auf eine große Hilfsbereitschaft, die überall im Land versucht das auszugleichen, was die Behörden nicht mehr leisten können. Zivilgesellschaft hilft dem Staat – eine grandiose und andauernde Willkommenskultur hat unserem Land das freundliche Gesicht gegeben, das die Flüchtlinge begrüßt und begleitet.

Positive Zeichen dafür gibt es überall – auch hier im Kiez. Alle kennen mittlerweile die große Initiative „Moabit hilft“, die schon seit mehr als einem Jahr stetig hilft, die Flüchtlinge in Mitte würdig zu empfangen. Sie stehen beim Lageso, dessen Mitarbeiter überlastet sind und helfen, so gut sie können. Dabei geraten auch diese ehrenamtlich Engagierten an den Rand ihrer Kapazitäten. Zum Beispiel die Welle an Spendenbereitschaft praktisch zu organisieren. Viele kommen auf die nächst liegende Idee und spenden Kleidung und Schuhe – so viel, dass der Verein diesen Berg gar nicht bewältigen kann.

In diese Lücke ist eine Initiative der Bloggerin Lucie Marshall alias Tanja Neufeldt in Zusammenarbeit mit dem Kindermodenladen „Tiny“ aus der Schröderstraße 14 gestoßen. Die Schauspielerin, Autorin und Bloggerin ist dem vom Bundespräsidenten genannten weiten Herz gefolgt und hat kurz entschlossen drei junge pakistanische Flüchtlinge im Alter von 13, 17 und 20 Jahren bei sich aufgenommen, nachdem sie beim Lageso ebenso spontan helfen gegangen ist und gesehen hat, was dort nötig war.

Über ihre Erfahrungen hat sie in ihrem Blog sehr anschaulich berichtet (www.luciemarshall.com) und einen Aufruf zum Kinderkleidungssammeln gestartet. „Ich habe diesen Blog gelesen und mich und meinen Laden dafür sofort zur Verfügung gestellt“, erzählt Anne Postrach, Besitzerin des Kindermodenladens „Tiny“ in der Schröderstraße 14. „Ich bin ja ohnehin den ganzen Tag im Laden, komme auch noch aus dem Fach und es war daher keine große Mühe für mich, die Kleidung hier zu sammeln und in Empfang zu nehmen.“

Innerhalb kürzester Zeit kam ohne große Werbung ein ganzer Berg von Kleidung zusammen, insgesamt 18 Kartons mit Kindersachen vor allem für die wärmere Jahreszeit. „Viele meiner Kundinnen und Kunden haben mitgemacht, auch die Kinder haben geholfen und ihre zu klein gewordenen Sachen aussortiert und dabei auf diesem Wege ganz praktisch etwas zu diesem Thema gelernt“, so die Inhaberin des Kindermodeladens. Klar, dass sie dann aus eigenen Beständen auch noch was dazu getan hat, so dass die ganze Aktion eine rundum gelungene, erfolgreiche Unterstützungsmaßnahme in vollkommen unbürokratischer Selbstorganisation geworden ist.

Die 18 Kartons wurden dann gleich direkt an bedürftige Flüchtlingsfamilien verteilt – eine schöne Initiative aus der Rosenthaler Vorstadt, weit unterhalb einer breiten Wahrnehmung, aber wirkungsvoll und effektiv. Wiederholung nicht ausgeschlossen!
 

 
 

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