Der Rosenthaler

Kunst im Kiez

Kiez

Text und Foto: Carlos Silva

Die einzigartige Kunst- und Kulturszene unserer Stadt macht Berlin zum Anziehungspunkt für viele Künstlerinnen und Künstler, die hier leben und arbeiten wollen. Einige von ihnen arbeiten in unmittelbarer Nachbarschaft direkt hier im Kiez: In der Ateliergemeinschaft Milchhof in der Schwedter Straße 232 haben gut 50 Kreative ihre Schaffensstätte gefunden. Ein Blick hinter die Kulissen.

Das Atelierhaus ist etwas versteckt im Hinterhof in einem ehemaligen Schulgebäude untergebracht. Im Hof befindet sich – quasi als Visitenkarte – der gläserne Pavillon, den die Gemeinschaft gemeinsam betreibt.

Hier werden regelmäßig wechselnde Ausstellungen gezeigt, von einzelnen Künstlerinnen oder Künstlern, von Gastkünstlern oder sogar von mehreren Künstlern gemeinsam. Gegenüber des Pavillons entdeckt man einen weiteren Blickfang: Eine Skulptur von Marcus Wittmers zeigt Superman nach missglücktem Landeanflug …

Die Künstlergemeinde gründete sich 1991 als Verein, damals noch in der Anklamer Straße, wo sich im Hof der Grundschule am Arkonaplatz ein altes Molkereigebäude befand. Das Gebäude wurde wegen des Neubaus der heutigen Turnhalle abgerissen, der Name „Milchhof“ blieb. 2004 zog die Ateliergemeinschaft um an den heutigen Standort, der vom Bezirk zunächst für zehn Jahre an die Künstlerinnen und Künstler vermietet wurde. Der Vertrag wurde verlängert.

Die Ateliers werden von Künstlern unterschiedlicher Genres genutzt: Malereien, Skulpturen oder Fotografien entstehen Tür an Tür. Man versteht sich gut – der Milchhof ist ein eingetragener Verein mit demokratischer Struktur. Alle zwei Jahre wird der Vereinsvorstand gewählt, der sich um die notwendigen Verwaltungsaufgaben kümmert. Neben einer Pavillon-Kommission gibt es eine Ateliervergabe-Kommission, die jeweils über die Vergabe des Ausstellungsraums bzw. frei werdender Ateliers entscheiden.

Eine Besonderheit ist das Gastatelier, das für maximal sechs Monate an internationale Künstlerinnen und Künstler vergeben wird. Der Verein hat Kooperationsvereinbarungen mit entsprechenden Institutionen zum Beispiel in London, was auch den hier beheimateten Künstlern die Möglichkeit zu einem kreativen Gastaufenthalt im Ausland und das Sammeln internationaler Erfahrungen ermöglicht.

Die Mietkosten liegen bei ca. 5 Euro kalt pro Quadratmeter, die Ausstattung ist gut. Und das mitten in Mitte, wo die Mietkosten in die Höhe schießen. Entsprechend beliebt sind die Ateliers und sehr begehrt bei den etwa 20.000 Künstlern, die laut Senat im Jahre 2011 in Berlin leben. Die meisten von ihnen wollen an den Puls des Lebens innerhalb des S-Bahn-Rings.  
Der Milchhof ist dabei eine guteAdresse, oder wie es zum 10jährigen hieß: „Das Viertel wandelt sich, Townhouses, Biomärkte und Marketingbüros entstehen – das alte Haus bleibt: eine Quelle der Kunst.“

 

 
 

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